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50 Jahre Diözese aus der Sicht der Freistadt Eisenstadt
Vortrag Dr. Bruno Neckel, Magistratsdirektor a. D.

Wie sieht denn eine Stadt, oder besser gefragt, was sieht eine Stadt eigentlich? Jedenfalls sieht sich eine Stadt immer in einer bestimmten Differenz zum Land, zur engeren und weiteren Umgebung. Dies gilt auch dann, wenn sich dieses Land als Ganzes seinem Wesen nach als Land der Dörfer definiert.

Durch jahrhundertealte Verträge, durch herrschaftliche Privilegien, durch ein ummauertes Stadtgebiet und ein attraktives Stadtbild, durch begüterte und vielleicht auch gebildete oder künstlerisch begabte Bürger werden diese Unterschiede betont und genutzt.

Eine derartige Entwicklung der Stellung der Stadt ist aber kein Naturereignis, sie wird vielmehr gemacht. Dabei wirken viele Faktoren und Einrichtungen zusammen. Oft wurde auch die Gunst des Augenblicks, das glückliche Zusammentreffen von historischen Situationen und handelnden Persönlichkeiten geschickt genutzt. Die Kleinstadt Eisenstadt mit dem etablierten Reiz als liebliches Barockstädtchen machte auf ihrem Weg zu einer Freistadt und zur späteren Landeshauptstadt und schließlich zur Residenzstadt des Diözesanbischofs der neu gegründeten Diözese Burgenland davon reichlich Gebrauch.

Eine wichtige Einschätzung ist sicherlich die Wahrnehmung der Stellung als Kultur- und Bildungsstadt. Dazu war die Bezeichnung als „Haydnstadt“ ein tauglicher Weg, die Stadt im Gespräch zu halten und Anknüpfungspunkte zu schaffen für Gespräche mit anderen Kulturmetropolen.

Eisenstadt definiert sich auch schon sehr früh als Schulstadt. Dabei ist sie noch immer im Aufstiegskampf und will noch höher hinaus. Fachhochschulen beherbergen, ein Studentenmilieu schaffen, um schließlich Hochschulstadt zu werden, das sind doch hehre Ziele, die das Ansehen der Stadt erheblich mehren. Die Etablierung des Haydnkonservatoriums und die Gründung der Pädagogischen Akademie können als gelungener Anfang gesehen werden.

Daneben gibt es eine Fülle anderer historisch gewachsener stadtbildender Phänomene, wie etwa Garnisonsstadt, Residenzstadt des Fürstengeschlechtes Esterhazy, Judenstadt, bis hin zur Stadt mit spezifischer Wirtschaftskraft.

In diesem Komplex von Phänomenen ist aber die kirchliche Konnotation trotz heutiger säkularisierter Perspektive sehr wesentlich. Das 50 Jahr Jubiläum der Diözese ist eng verwoben mit der Geschichte des Landes Burgenland und mit der Entwicklung unserer Stadt zur Landeshauptstadt. Auffallend dabei ist in besonderer Weise, dass es die kirchliche Seite immer verstand, treffsicher den richtigen Zeitpunkt zu nützen.

Der Zusammenbruch der Österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahre 1918 und die Friedensverträge der folgenden Jahre hatten eine Änderung der territorialen Gliederung in diesem Raum zur Folge. Mit den Friedensverträgen von Saint Germain und Trianon erfolgte die Angliederung des heutigen Burgenlandes an Österreich. Eine Neuordnung der kirchlichen Verwaltung wurde notwendig, da das Gebiet bis dahin zu den Diözesen Raab/Györ und Steinamanger/Szombathely gehörte. Über Ersuchen der österreichischen Bundesregierung wurde mit Dekret des Nuntius in Wien über Auftrag des Heiligen Stuhles vom 18. Mai 1922, wohl aber gegen den Willen der betroffenen ungarischen Diözesanbischöfe, vorerst eine Apostolische Administratur für das Burgenland eingerichtet. Zum Administrator wurde der Wiener Erzbischof Kardinal Piffl bestellt. Nach seinem Tod im Jahre 1932 wurde sein Nachfolger Kardinal Innitzer zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes ernannt. Bei der konkreten Wahrnehmung der damit verbundenen Aufgaben bediente er sich eines Provikars, also eines ständigen persönlichen Vertreters. Für diese Funktion wurde der damalige Dechantpfarrer von Kleinfrauenhaid, Dr. Josef Köller, bestellt. Die Bestellung eines burgenländischen Priesters in dieses Amt bedeutete einen sichtbaren Schritt in Richtung einer Verselbständigung des Burgenlandes mit dem Fernziel der Errichtung einer eigenen Diözese. Er verlegte die Kanzlei der Apostolischen Administration von Wien nach Eisenstadt und er errichtete hier auch ein Knabenseminar. Im Jahre 1941 wurde er Propstpfarrer von Eisenstadt-Oberberg. Er regte an, die burgenländische Kirchenverwaltung in die Propstei von Eisenstadt zu verlegen und die Bergkirche, die Pfarrkirche des Provikars, bei einem möglichen Selbständigwerden einer Diözese zur Bischofskirche zu erheben.

Ein weiterer wichtiger Schritt in der Vorgeschichte der Diözese war das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik im Jahre 1933/1934. Darin wurde das Einverständnis über die Erhebung des Kirchengebietes zu einer „Praelatura nullius“ bekundet, die die rechtlich wirksame Abtrennung von den Mutterdiözesen Raab und Steinamanger gebracht hätte. Die sich schnell ändernden politischen Verhältnisse aber ließen es nicht zu, dass die dazu notwendigen weiteren Vereinbarungen getroffen werden konnten.

Mindestens ebenso schwierig war die Situation auf der politischen Ebene. Dem jungen Land fehlten aufgrund des Verlustes der Komitatshauptstadt Ödenburg sämtliche Verwaltungsein- richtungen. Es besaß auch keinen Verwaltungsapparat. Aufgrund der ungarischen Schulausbildung mangelte es an bodenständigen gebildeten geistigen Kräften, weshalb die höheren Verwaltungsbeamten und Lehrkräfte für die Schulen von außen, vorwiegend aus Wien, herbeigeholt werden mussten. Diese waren aber mit der Mentalität dieses Volkes nicht vertraut. Aber auch die räumlichen und technischen Voraussetzungen einer geordneten Verwaltung fehlten nach dem Verlust von Ödenburg. Die Entscheidung über eine neue Landeshauptstadt wurde immer dringlicher. Der Kurort Sauerbrunn, wo einige Hotels und Pensionen vorhanden waren, bot zunächst der Landesregierung und dem Amt der Landesregierung notdürftig Unterkunft. Es gab eine direkte Bahnverbindung in das nur 10 km entfernte Wiener Neustadt, von wo aus man sowohl Wien als auch die anderen Teile des Landes erreichen konnte. Aber schon für den im Sommer 1922 zusammentretenden Landtag gab es in Sauerbrunn keinen geeigneten Sitzungssaal. Der Landtag musste nach Eisenstadt in den Festsaal der heutigen Martinskaserne einberufen werden. Dieses Gebäude auch für die Unterbringung der Landesregierung und der Landesverwaltung heranzuziehen, war nicht möglich. Es war bereits eine Garnison des Bundesheeres eingezogen. Auch zog die neue „Bundesmittelschule“ samt Internat in das Gebäude ein. Diese Schule war besonders notwendig und wichtig, da durch die neue Grenzziehung die höheren Schulen von Ödenburg und Güns für Burgenländer kaum mehr zur Verfügung standen. Um diesen verwaltungstechnisch problematischen und unökonomischen Zustand der Zweiteilung zu beheben, musste eine neue Lösung gefunden werden. Mehrere Gemeinden des Landes bewarben sich um diese Funktion. Die Stadt Eisenstadt, allen voran Bürgermeister Ämilian Necesany und Magistratsdirektor Dr. Josef Wagast, damals auch 3. Landtagspräsident, strengte sich im Bewerb um diese Stellung besonders an. Man begann, eine Lobby zu schaffen, indem man unter Parteipolitikern und Landtagsabgeordneten für Eisenstadt warb.

Dabei ist für unsere Stadt und für das ganze Land eine Persönlichkeit von herausragender Bedeutung. Michael Gangl, ab dem Jahr 1920 Pfarrer von Neudörfel, wurde nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich zu einem der wichtigsten Politiker im Land und zum wichtigsten Funktionär seiner Partei. Er wurde am 1. Landesparteitag der Christlichsozialen Partei in Mattersburg zum Obmann und gleichzeitig zum Generalsekretär gewählt. Nach den Wahlen 1922 zog Gangl in den Landtag ein und wurde Klubobmann seiner Fraktion. Er hatte einen gewaltigen Arbeitsaufwand zu bewältigen, da er auch noch Chefredakteur des Parteiorgans „Burgenländisches Volksblatt“ war. Auf Dauer konnte er all die Aufgaben nicht bewältigen. Am 20. November 1923 gab er die Parteiobmannstelle auf und wechselte in den Nationalrat, wo er bis 30. April 1934 sein Mandat ausübte. Als „allmächtiger“ Landesparteisekretär, diese Funktion behielt er bis 1932, bestimmte er jedoch weiterhin wesentlich die Landespolitik. In Landtagsreden griff er grundsätzliche Fragen auf. Wichtig für unsere Stadt war sein Eintreten für die Funktion als Landeshauptstadt. So führte er in einer Landtagssitzung am 13. Juli 1923 aus, dass die politische Atmosphäre unseres Landes Gewitterwolken hervorgerufen habe. Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Erscheinungen aus dem politischen Leben verschwinden würden. Die erste dieser Erscheinungen sei die Frage der Landeshauptstadt. Die Lösung dieser Frage sollte nicht parteipolitisch genutzt werden. Sein politischer Einsatz aber half entscheidend mit, dass der Landtag am 30. April 1925 im 2. Wahlgang beschloss, Eisenstadt zum Sitz der Landes- behörden zu erheben.

Als eines der wichtigsten Ereignisse um die Person Michael Gangls ist seine Ernennung zum Stadtpfarrer von Eisenstadt zu werten. Gangl bewarb sich 1929 um die frei gewordene Stelle sowohl bei der Apostolischen Administration als auch beim Gemeinderat der Freistadt Eisenstadt, der die Aufgaben des Patronatsherrn wahrzunehmen hatte. Prompt folgten natürlich die politischen Kommentare zu dieser Bewerbung noch vor der Entscheidung. Am schärfsten ging die „Burgenländische Freiheit“ mit dieser Frage um. Sie interpretierte Gangls Bewerbung als weiteren Schritt zum künftigen Bischof des Burgenlandes. Hämisch setzte sie in diesem Artikel noch hinzu, Gangl sei Politiker und die Demagogie der Versammlungsrede liege ihm besser als die Verkündigung der Worte Gottes. Er stehe lieber auf der Rednertribüne des Parlaments als auf der Neudörfler Kirchenkanzel. Trotz mehrerer Mitbewerber für die vakante Stelle wird seitens der Kirche Michael Gangl dem Patronatsherrn Freistadt Eisenstadt zur Abstimmung zugeleitet. In der Gemeinderatssitzung vom 1. Juli 1929 wurde beraten. Die christlichsoziale Mehrheitsfraktion sprach sich für Michael Gangl aus. Die sozialdemokratische Fraktion brachte vor, man wolle keinen Pfarrer, der sich mit Politik beschäftige, sondern einen, der sich mit Religion befasst. Mit Mehrheit wurde beschlossen, Michael Gangl der Apostolischen Administration zur Investition auf die Stadtpfarre Eisenstadt zu präsentieren. Dieser zog dann auch am 19. September 1929 als neuer Pfarrer ein und behielt diese Aufgabe bis zum Jahre 1962. In diese lange Amtsperiode fallen dann auch alle wesentlichen Ereignisse auf dem Weg der Diözesanwerdung und der Erhebung der Stadtpfarrkirche zum Hl. Martin zur Bischofskirche der Diözese Eisenstadt. Sein Einfluss bei der Gestaltung dieser historischen Epoche war von großer Bedeutung.

Im Jahre 1938 wurde das Land Burgenland aufgelöst. Der Norden wurde dem Gau Niederdonau (Niederösterreich), der Süden der Steiermark zugeschlagen. Eisenstadt verlor damit auch seine Stellung als Landeshauptstadt.

Trotz der Auflösung des Burgenlandes im Jahre 1938 blieb aber die Einheit der Apostolischen Administration des Burgenlandes gleichsam als Symbol des einstmaligen Landes bewahrt. Der Name „Burgenland“ blieb damit in der Öffentlichkeit bestehen. Die Verwaltung der Apostolischen Administration musste allerdings nach Mattersburg und später nach Sauerbrunn verlegt werden und der Name in „Apostolische Administratur Burgenland“ abgeändert werden. Vorerst glaubte man seitens der Kirche noch an eine Vereinbarkeit von Christentum und Nationalsozialismus. Diese These vertraten vor allem die „Brückenbauer“, angeführt von Bischof Alois Hudal. Doch bald wurde man von der Unvereinbarkeit überzeugt. Die Kirche musste sich aus allen politischen Bereichen zurückziehen und ihre Tätigkeiten auf die Seelsorge, die Feier der Heiligen Messe und andere kirchliche Handlungen beschränken. Im Mai erklärte Hitler Österreich zu einer konkordatsfreien Zone. Das Regime konnte ungehindert gegen die Kirche vorgehen. Das geschah vor allen im Schul- und Erziehungswesen, in der Auflösung sämtlicher katholischer Vereine und Verbände und im Bereich des Ehewesens.

Im Jahre 1945 wurde Burgenland als selbständiges Bundesland wieder hergestellt. Die Verwaltungsstellen waren vorerst bemüht, die großen Schäden aus dem 2. Weltkrieg zu beheben.

In vielen Gemeinden herrschte große Not. Das ganze Land war russisch besetzt. Diese russische Besatzung war für unser Bundesland ein starkes Hindernis. Es muss an dieser Stelle erinnert werden, wie sich die Situation in Eisenstadt zur Besatzungszeit darstellte. Zu Pfingsten 1945 waren etwa 17000 russische Soldaten und Ostarbeiter in der Stadt. In den folgenden Jahren erhielten auch Frauen und Kinder der Offiziere Aufenthaltsbewilligungen. Die Landesregierung und der Landtag konnten nicht in ihr Gebäude einziehen, weil diese von den Russen beschlagnahmt waren. Zur Unterbringung der Soldaten waren neben der Kaserne auch ganze Wohnviertel beschlagnahmt, wie zum Beispiel die Beamtenwohnhäuser in der Ign. Tillstrasse. Auch andere wichtige Gebäude waren besetzt. Das alles zusammen beherrschte schon das Stadtbild sehr. Aber auch die politische Entwicklung im Nachbarland Ungarn verhieß nichts Gutes. Und so war vom allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung, der in Österreich herrschte, im Burgenland nichts zu merken. Es gab niemanden, der in diesem Land am „Eisernen Vorhang“ ernsthaft investieren wollte. Die wirtschaftliche und die politische Situation waren einfach zu unsicher. Die russische Besatzungsmacht nahm maßgeblichen Anteil am Geschehen der Verwaltung. Jede Entscheidung in der öffentlichen Verwaltung musste in der russischen Kommandantur zur Genehmigung vorgelegt werden.

Da schien es wie ein Lichtstrahl, dass die katholische Kirche ein Zeichen setzte. Am 12. November 1949 wurde Dr. Josef Schoiswohl zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes mit allen Rechten eines Residentialbischofs ernannt. Mit ihm hatte nun das Burgenland einen Oberhirten, der auch im Land selbst residierte. Obwohl ihn Klerus und Volk zunächst nur zögernd annahm, gelang es ihm bald, sich die Wertschätzung und Liebe der Burgenländer zu erwerben. Zunächst galten seine Bemühungen der Verlegung der kirchlichen Verwaltungsstellen von Sauerbrunn in die Landeshauptstadt Eisenstadt. Er selbst sagte, „wenn ich im Burgenland etwas erreichen will, dann muss ich nach Eisenstadt“. Eine seiner ersten Taten war die Aufnahme von Verhandlungen mit Kommerzialrat Erwin Koller in Eisenstadt zwecks Ankaufs eines günstig gelegenen Grundstücks zur Errichtung des Bischofshofes. Auf dem bald erworbenen Grundstück errichtete er von 1950-1952 den Bischofshof und begann 1952 mit der Umgestaltung des heutigen Domes. Für die architektonische, raumplanerische und künstlerische Gestaltung berief Dr. Schoiswohl die sehr bekannte Wiener Architektin Dipl. Ing. Martha Bolldorf-Reitstätter. Sie erstellte den Teilbebaungsplan „Kirchliches Zentrum Eisenstadt“, die Pläne für den Bischofshof und für den Umbau und die Innenrenovierung der Stadtpfarrkirche, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese zur ersten Kirche des Burgenlandes erhoben werden könne. Für das Stadtbild selbst war der Teilbebaungsplan wichtig. Das Gebiet des Planes umfasste die Fläche Pfarrgasse-Martinstraße- Rochusstraße bis hin zu den heutigen Gebäuden der bischöflichen Verwaltung. Nicht alle Details dieses Planes konnten sofort verwirklicht werden, da nicht alle Grundstücke erwerbbar waren. Die wesentlichen Teile aber sind realisiert worden. So rückte durch eine großzügige Platzschaffung vor der Kirche vorerst das Kirchengebäude selbst stärker in den Mittelpunkt. Dazu mussten einige Gebäude erworben und abgerissen werden, die die Sicht auf die Kirche verstellten. Auch der Straßendurchbruch von der Pfarrgasse zur St. Rochusstraße, die heutige Martinstrasse, konnte geschaffen werden. Den heutigen Straßenverkehr könnte man sich ohne diesen Straßenzug gar nicht mehr vorstellen. Die Beiträge der Stadt waren aber auch beachtenswert. Über Ersuchen der Pfarre zum Hl. Martin beschloss der Gemeinderat am 20. Juni 1950, der Pfarre den Friedhof rund um das Kirchengebäude, Parz. Nr. 216, Grundbuch. Eisenstadt, unentgeltlich zu überlassen. Bedingung dabei war, dass das im Bebauungsplan vorgesehene Durchgangsrecht in die St. Rochus- und Antonistraße für die Bevölkerung uneingeschränkt zusteht. Ergänzt wurde dieser Beschluss vom Gemeinderat am 5. Dezember 1957, wonach die Stadt der Apostolischen Administratur das erste Stück der Stadtmauer schenkte, den weiteren Teil bis zum Pulverturm der Stadtpfarre zum Hl. Martin. Damit konnte das Umfeld um den Dom wesentlich besser gestaltet werden. Für die Baustelle selbst stellte die Stadt den Sand zu begünstigten Bedingungen zur Verfügung. Vielleicht schade ist, dass die Zugangsmöglichkeit vom Süden her nicht realisiert wurde.

Die sehr rührige Architektin verwirklichte noch einige Projekte in Eisenstadt. Am auffälligsten ist vielleicht die Raumplanung für das Bahnhofsviertel mit dem Hochhaus. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das Bundesdenkmalamt vom Stadtbildschutz aus gesehen keine Bedenken gegen das Hochhaus hatte.

Am 20. September 1951 wurde Prälat Schoiswohl in der Pfarrkirche von Eisenstadt zum Bischof geweiht.

Das war etwas für uns Ministranten in der Pfarrkirche. Wir stiegen mit auf im Rang und an Bedeutung. Jetzt waren wir Bischofsministranten. Dieser Aufstieg war mit einiger Mühe verbunden. Der sehr strenge, aber von uns Buben geschätzte damalige Sekretär und Zeremoniär, der heutige emer. Dompropst und Apostolische Protonotar Dr. Anton Stirling, übte mit uns in vielen Stunden vor allem die pontifikalen Riten. Mir war meistens die Aufgabe zuteil, die Mitra zu tragen. Für den Stab war der heutige Generalvikar Prälat Dr. J. Kohl zuständig. Zu bemerken ist, dass damals dem tridentinischen Ritus gemäß die Liturgie in lateinischer Sprache gefeiert wurde. Der Anteil der Gebete, die die Ministranten auswendig kennen mussten, war bedeutend. Das fehlerfreie Können wurde wiederholt überprüft.

Mitten in der Aufbauarbeit der zukünftigen Diözese erfolgte am 18. Jänner1954 völlig unerwartet seine Ernennung zum Bischof der Diözese Graz-Seckau, wo er 2 Monate später in sein Amt eingeführt wurde.

Als neuer Apostolischer Administrator wurde der bisherige Kanzleidirektor Msgr. DDr. Stefan Laszlo eingesetzt. 2 Jahre später wurde er in der Stadtpfarrkirche zum Hl. Martin in Eisenstadt zum Bischof geweiht. Mit großer Energie setzte er die Aufbauarbeit fort, um die Voraussetzungen für eine eigene Diözese zu schaffen. Schnell erwarb er sich den Beinamen „Bauherr der Diözese“. Dieser Titel traf in direkter und indirekter Weise zu. Einerseits bewältigte er ein umfangreiches Bauprogramm, um eine zukünftige Diözese fit zu machen für die Aufgaben einer Kirchenverwaltung. Andererseits aber schuf er auch rechtlich, er war ja ein ausgebildeter und promovierter Kanonist, ein gutes Fundament für eine selbständige Kirchenverwaltung. Mit einer Kirchensynode erarbeitete er die Grundlagen für die Kodifizierung des geltenden Kirchenrechts im Gebiet des Burgenlandes.

Alle Vorbereitungen waren also fleißig und gewissenhaft getroffen. Es fehlte der letzte Schritt, die Errichtung einer selbständigen Diözese. Diese Frage konnte nur gelöst werden, wenn über die Rechtsqualität des Konkordates 1933/1934 Klarheit herrscht. Ausgangspunkt war die Frage, ob der sogenannte „Anschluss“ Österreichs an Deutschland 1938 als Annexion oder Okkupation zu bewerten sei. Im Falle einer Annexion wäre Österreich 1938 als Völkerrechtssubjekt untergegangen und alle Verträge wären erloschen. Bei einer Okkupation wäre Österreich wohl handlungsunfähig geworden, hätte aber seine Rechtsfähigkeit nicht verloren. Demzufolge wären alle völkerrechtlichen Verträge nach Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit wieder aufgelebt. Die herrschende Lehre schloss sich der Okkupationstheorie an. Demnach war das Konkordat in die Rechtsordnung der 2. Republik aufzunehmen. In einem Notenwechsel zwischen der Österreichischen Bundesregierung und dem Päpstlichen Staatssekretariat wurde bekanntgegeben, dass die Fortführung des Konkordates – mit gewissen Einschränkungen und Bedingungen – von der österreichischen Bundesregierung anerkannt wird. Nun war der Weg frei. Ein sehr großes Verdienst kommt dem damaligen Nuntius in Wien, Erzbischof Dellepiane zu. Es kam zum Vertrag zwischen dem Hl. Stuhl und der Republik Österreich vom 23. Juni 1960, in dem vereinbart wurde, dass das Burgenland - im Konkordat von 1933 noch als „Praelatura nullius“ vorgesehen - zu einer Diözese erhoben werden solle. Mit großem Geschick, mit Zähigkeit und Bestimmtheit brachte sich Bischof Laszlo in die Verhandlungen ein und konnte so manchen Vorteil für die junge Diözese erhandeln. So stand diese von Anfang an wirtschaftlich relativ gut gesichert da. Die Errichtung der Diözese fand mit der Bulle „Magna quae“ vom 15. August 1960 statt. Der bisherige Administrator wurde von Papst Johannes XXIII. zum 1. Diözesanbischof ernannt. Die Inthronisation erfolgte am 11. November 1960.

Die Stadt war stolz. Die ganze Titelseite des Amtsblattes wurde diesem Ereignis gewidmet. Ausführlich wurden die Verdienste gewürdigt und die Ehrengäste der Feste beschrieben. So können wir im Amtsblatt u.a. lesen: „Zu der Feier in der Landeshauptstadt werden die höchsten Vertreter der Kirche und des Staates erwartet. Auch Regierung und Volk unseres Landes werden in gebührender Weise dieses kirchliche Ereignis begehen.“ Es folgt ein Bericht über das feierliche Pontifikalamt und die diversen Zeremonien und Feierlichkeiten zu diesem Anlass.

In weiterer Folge geschah vieles zum Nutzen und zum Ansehen unserer Stadt. Und das Amtsblatt berichtete immer wieder von bemerkenswerten Ereignissen. Im Bildungsbereich wurden historische Leistungen erbracht. So konnte in Form einer Stiftung als Grundlage einer Zusammenarbeit mit den öffentlichen Schulbehörden eine Pädagogische Akademie errichtet werden. Dies stellte eine enorme Bereicherung des Bildungsangebots in unserer Stadt dar. Auch die Errichtung eines Musisch-pädagoigischen Realgymnasiums und des Katholischen Schülerheims in Eisenstadt ergänzten, bereicherten und vervollständigten das Schulangebot in der Landeshauptstadt.

Im Juni-Amtsblatt 1969 können wir lesen, dass das neue Bildungshaus der Diözese im Propsteigebäude am Oberberg noch im Sommer in Betrieb gehen wird. Zu Martini 1969 wurde dann dieses neurenovierte Gebäude feierlich geweiht und eröffnet. Dabei führte Diözesanbischof DDr. Laszlo aus, dass dieses historische Gebäude nunmehr eine zeitgemäße neue Bestimmung gefunden hätte. Das als geistiges Zentrum und Bildungsstätte gedachte Haus soll seine Tore weit offen halten für alle, die ein freies Gespräch mit der Kirche suchen. Heute wissen wir alle, welche Bedeutung gerade dieses Haus, diese Einrichtung, für Eisenstadt hat. Viele attraktive Bildungs- und Beratungsveranstaltungen werden geboten und von den Menschen der Stadt, aber auch von vielen Gästen aus nah und fern, gerne angenommen.

Ausführlich berichtet das Amtsblatt der Stadt auch über die 10 Jahre Feier der Diözese zu Martini 1970. Dies war ein gesellschaftliches Großereignis, an dem die höchsten Vertreter des Landes und der Kirche kamen. Seitens der Kirche nahmen an diesen Festlichkeiten der Apostolische Nuntius Opilio Rossi, Kardinal König und die Bischöfe der Nachbardiözesen Marburg, Steinamanger, Raab und Graz sowie der erste burgenländische Bischof, damals bereits Erzbischof, Dr. Schoiswohl, teil. In seiner Predigt verwies Bischof Dr. Laszlo darauf, dass bereits am 12. November 1970 die 2. Synode der Diözese Eisenstadt beginnen werde. Diese hätte die Erneuerung des christlichen Gemeindelebens zum Gegenstand. Resultat dieser Synode war die spätere Schaffung der kollegialen Gremien auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens in Burgenland.

Aus dem Amtsblatt kann man gut erkennen, dass wichtige Großereignisse immer wieder zu Martini gefeiert wurden. So lesen wir in der Novemberausgabe 1972 vom feierlichen Spatenstich für das Altenheim der Diözese in der Gregor Josef Werner-Straße. Damit setzte die Diözese in Eisenstadt einen besonders wichtigen Schwerpunkt im sozialen Bereich. Es wurde damit eine Lücke in der Versorgung älterer Menschen in unserer Stadt geschlossen.

Eines der sichtbaren Zeichen des Dankes und der Freude, Bischofsstadt zu sein, äußert sich darin, dass der Gemeinderat der Stadt am 26. Juni 1980 beschloss, die Pfarrgasse von der Markhlgasse bis zum Alten Stadttor in „Domplatz“ umzubenennen. Selbstverständlich erhielt die Nummer 1 der Dom. Nach dem Ende der Ära des 1. Diözesanbischofs wurde Dr. Paul Iby zum neuen Bischof ernannt. Er wurde am 24. Jänner 1993 im Martinsdom in Eisenstadt zum Bischof geweiht. Sein Wahlspruch lautet: „Omnia in caritate“, „Alles in Liebe“.

Seine Amtszeit fällt in eine spannende Epoche. Nie zuvor überschlugen sich die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Veränderungen so turbulent wie in dieser Zeit. Altes und oft vielfach Bewährtes verschwindet in großem Ausmaß. Dank seiner erfolgreichen Tätigkeit in fast allen kurialen Ämtern der Diözese verfügt er über ein großes Maß an Erfahrung mit den Problemen der Zeit. Vor allem aber hält er seinen Wahlspruch „Omnia in caritata“ dem unüberschaubaren Treiben entgegen. Bald erkannte man, dass das nicht bloß ein Schlagwort ist. Schritt für Schritt wurden auf vielen Gebieten Initiativen ergriffen, Handlungen gesetzt, Begeisterungen geweckt, Aufregungen beschwichtigt und somit immer wieder ein gutes Maß in die Dinge gebracht.

Ganz konkret aus der Sicht der Stadtverwaltung fallen in seine bisherige Wirkungsperiode wichtige Verdienste. War der erste Diözesanbischof mit dem Aufbau von neuen Gebäuden befasst, so muss der jetzige Bischof sorgen, die zeitgemäße Verwendung sicherzustellen. In geradezu vorbildlicher Weise ist dies mit der Neugestaltung des Hauses der Begegnung gelungen. Die Akzeptanz gibt beredten Beweis. Aber auch die Neugestaltung des Domes, die neue Planung der Umgebung des Domes, die Platzgestaltung vor dem Dom, die Schaffung des neuen Zuganges und die optisch bessere Erscheinungsform werden seitens der Stadtverwaltung im hohen Maß begrüßt. Die vielfältigen Formen der fruchtbaren Zusammenarbeit aufzuzählen würde den Rahmen dieses Berichtes bei weitem sprengen. Sie reichen vom Kindergartenwesen bis hin zur Frage der Alten- und Pensionistenhäuser und zu Friedhofsfragen. Gegenseitig nahm man aber auch Anteil an persönlichen Ereignissen. Jubiläen der Diözese und Geburtstage der Diözesanbischöfe wurden zum Anlass genommen, die persönliche Wertschätzung auszudrücken und die Leistungen für die Öffentlichkeit zu würdigen. Viele umfangreiche Artikel im Amtsblatt geben davon Zeugnis. Heute können diese Berichte wie ein Index der historischen Ereignisse genutzt werden. Die Einrichtungen des Domes bringen sich aber auch auf anderen Gebieten ins öffentliche Leben ein. Ein besonderes Beispiel ist das Wirken des Eisenstädter Domchores und der Dommusik. Sie sind zu einem wichtigen Teil des Kulturlebens in unserer Stadt geworden. Mit den Aufführungen, die sich durch hohe künstlerische Qualität auszeichnen, tragen sie zur Bedeutung unserer Stadt ganz wesentlich bei.

Die Stadtverwaltung war seit langem bemüht, den Horizont zu erweitern. Dazu ging man Städtepartnerschaften, anfangs mit Bad Kissingen und mit Colmar, ein. Beide Diözesan- bischöfe begleiteten die städtischen Delegationen immer wieder auf den Reisen in diese Städte und sorgten damit, dass diese Verbindungen unter einem guten Segen standen. Dies wurde von beiden Seiten geschätzt und außerordentlich begrüßt.

Die Reihe der Akte der Zusammenarbeit ist lange. Vieles in dieser Zeit gereichte aber zum besonderen Nutzen und zum Ansehen der Stadt. So war es selbstverständlich, dass beide Diözesanbischöfe zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden und damit die höchste Auszeichnung der Stadt erhielten.

In einer feierlichen Festsitzung des Gemeinderates am 9. November 1978, bei der besonders viele prominente Ehrengäste anwesend waren, wurde Diözesanbischof DDr. Stefan Laszlo diese hohe Auszeichnung verliehen. Nach einigen Festansprachen bedankte sich Bischof Dr. Laszlo mit ganz persönlichen Bemerkungen. Nach einem kurzen historischen Rückblick, der die heute schon erwähnten historischen Ereignisse beinhaltete, setzte er fort, dass er sich über diese Auszeichnung besonders freue, denn Geistliche freuen sich immer über eine gute Zusammenarbeit mit der weltlichen Seite. Als kleiner Bub hätte er sich nie gedacht, dass ihm einst solche Aufgaben übertragen werden und dass er dafür solche Anerkennung finden werde. Er erinnerte daran, dass er die 4. Klasse Volksschule und einige Jahre das Gymnasium in Eisenstadt besuchte. Er fühle sich daher heute noch mit vielen Menschen verbunden. Es seien freundschaftliche Bande, die auf die Kindheit und auf die Schulzeit zurückgingen. Umso mehr freue er sich, dass es gelungen ist, Eisenstadt zum Bischofssitz zu erheben. Es war ein langer und ein mühevoller Weg. Gerade im Zusammenhang mit der Diözesanwerdung sei es notwendig gewesen, manches im Städtebau zu ändern. Die Stadt habe dafür großes Verständnis gezeigt und unterstützend mitgewirkt. Und so wurde aus der repräsentativen Landeshauptstadt auch eine Bischofsstadt.

In einer Festsitzung des Gemeinderates vom 8. Mai 2000 wurde die Ehrenbürgerschaft an Diözesanbischof Dr. Paul Iby verliehen. Auch er bedankte sich nach der Laudatio und den Festreden mit sehr persönlichen Worten. Er führte aus, dass er zur Stadt Eisenstadt ein eher distanziertes Verhältnis gehabt hätte. Er kannte die Stadt und die Bewohner kaum und wünschte sich nach seiner Priesterweihe alles andere als einen Kaplanposten in Eisenstadt. Aber genau das trat ein. Mit 1. September 1959 wurde er zum Stadtkaplan der Stadtpfarre Eisenstadt ernannt. Stadtpfarrer war der heute schon besprochene Prälat Michael Gangl. Schnell aber hätte er die Stadt und die Menschen, die hier leben, schätzen und lieben gelernt. Nach dem ersten Kaplanjahr folgte ein zweites, dann wünschte er sich sogar ein Drittes. Aber wieder kam es anders. Er sei als Zeremoniär in den Bischofshof versetzt worden. Es war wenigstens keine weite Übersiedlung von der Pfarrgasse in die Rochusstraße. So konnten die vielen Bindungen in Eisenstadt aufrechterhalten und weiter ausgebaut werden. Später als Bischof war es dann möglich, auf dieser guten Basis das Aufbauwerk der Diözese fortzusetzen.

Und so kann man zusammenfassend sagen, dass es für unsere Stadt eine glückliche Fügung war, dass gerade diese Persönlichkeiten an der Spitze der Diözese standen. Sie kannten und kennen Land und Leute, sie sind mit der Mentalität vertraut, sie sind integriert in Politik und Wirtschaft und sie werden von allen sehr geschätzt. Jetzt aber wird es sehr spannend. Es wird doch damit zu rechnen sein, dass nach Abschluss der Jubiläumsfeiern in diesem Jahr ein neuer Bischof ernannt werden wird. Für die Zusammenarbeit mit der Stadt wünschen wir uns wieder einen so verständnisvollen Bischof, damit wir auch weiterhin stolz sein können, Bischofsstadt zu sein.

Und wenn ich eingangs auf die Tätigkeit der Architektin Martha Bolldorf-Reitstätter verwiesen habe, die auch den Bebauungsplan „Untere Bahnstraße“ mit dem Hochhaus erstellt hat, so können wir einem Zitat nach einem Gutachten des Bundesdenkmalamtes gemäß das Stadtbild von Eisenstadt wie folgt betrachten. Nähert man sich der Stadt vom Süden oder vom Osten so erblickt man 3 bauliche Schwerpunkte, den Dom, das Schloss und das Hochhaus. Darin kann man die drei Dominanten der Stadt, nämlich die kirchliche, die fürstliche und die bürgerliche Dominante sehen, die friedlich miteinander eine schöne Stadt-Ansicht bilden.

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