1. Romanische Bauphase
Die erste schriftlich erwähnte Vorgängerkirche des heutigen Domes war
eine Kapelle, die in einer Urkunde von 1264 als „Capella Sancti Martini de
minori Martin“ (Martinskapelle von Kleinmartinsdorf, heute Eisenstadt)
aufscheint. Bei Grabungen in den 1950er Jahren konnten im Bereich des
heutigen Presbyteriums noch die Fundamente einer im 12./13. Jahrhundert
entstandenen Kirche nachgewiesen werden, die aufgrund jüngster
punktueller Grabungserkenntnisse vermutlich älter und größer war als
bislang angenommen.
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Schlussstein im Gewölbe der Eingangsvorhalle | |
2. Gotische Bauphasen
Einem Chorneubau im 13. Jahrhundert und dem nördlichen Anbau der heutigen
„Familienkapelle“ im 14. Jahrhundert folgte ab 1460 unter Johann
Siebenhirter, dem Pfandinhaber der Herrschaft Eisenstadt,
der Bau der im Wesentlichen noch bestehenden dreischiffigen,
vierjochigen Hallenkirche. An den Bauherrn Siebenhirter,
Küchenchef Kaiser Friedrichs III. und seit 1469
Großmeister des St.-Georgs-Ritterordens, erinnert noch das
Wappen an einem Schlussstein im Gewölbe der Einhangsvorhalle.
Der namentlich unbekannte Baumeister kam vermutlich aus der
damaligen Residenzstadt Wiener Neustadt, wo Siebenhirter ab 1478 seinen
ständigen Amtssitz hatte.
Die Belagerung der Stadt durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus 1488
und der Türkenkrieg 1529 verzögerten die Fertigstellung des Baues; an
der Kirche finden sich Baudatierungen von 1495 und 1520 bzw. am Turm
von 1522. Von ursprünglich zwei geplanten Türmen wurde nur jener im
Nordwesten ausgebaut und in seiner jetzigen Form im 16. Jahrhundert
vollendet. Das noch heute nachvollziehbare wehrhafte Aussehen dieses
Turmes hängt sicher mit der Absicht Siebenhirters zusammen, nach dem Fall
von Konstantinopel im Jahr 1453 für seinen Orden eine starke Wehrkirche
zur Türkenabwehr zu errichten.
Bis zur Abtragung im Jahr 1804 stand im einstigen Friedhof neben der
Kirche der gotische, um 1401 erbaute Karner, die sog. Michaelskapelle.
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| Christus vor Kaiphas, Ölbild, 17. Jahrhundert | |
3. Barocke Veränderungen
Nachdem ein Großbrand im Jahr 1589 das gesamte Kirchendach und in der
Folge auch die Gewölbe zerstört hatte, konnte der allmählich einsetzende
ruinöse Verfall des Kirchengebäudes erst im frühen 17. Jahrhundert gestoppt
werden. In den Jahren 1610 bis zum Weihedatum 1629 erfolgte nun, ab
1622 mit finanzieller Unterstützung von Graf Nikolaus Esterházy,
der Wiederaufbau in frühbarocken Formen, mit Kreuzgratgewölben
und Rundbogenfenstern im Presbyterium. Von der einst reichen
gotischen und frühbarocken Einrichtung sind heute nur mehr das Ölberg-Relief
aus der Zeit um 1500 und das große Ölbild „Christus vor Kaiphas“ aus dem 17. Jahrhundert
erhalten.
Zahlreiche Stiftungen ermöglichten im 18. Jahrhundert eine spätbarocke
Ausstattungsphase, aus der noch die Kanzel, die Orgel und die beiden Ölgemälde von Stephan
Dorfmeister stammen.Nicht mehr erhalten ist allerdings der 1779 angeschaffte
barocke Hochaltar, der ebenso wie die ihn begleitende Architekturmalerei
Dorfmeisters der Regotisierung weichen musste.
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Apokalyptischer Reiter, Glasfenster von Franz Deéd im Langhaus |
Gotisches Fenster an der Nordwand, Glasmalerei von Franz Deéd, 1976 |
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4. Regotisierung 1903/04
Im Zuge der damaligen Stilvorstellungen setzten bereits im ausgehenden 19.
Jahrhundert Überlegungen zu einer „Regotisierung“ der Kirche mit dem Ziel einer
Rückgewinnung ihres „authentischen“ Aussehens ein. Bei der 1904 vollendeten
Umsetzung dieser Ideen wurden die barocken Altäre entfernt und die bereits
1863 erstmals übertünchte barocke Raumausmalung schwer beschädigt;
die barocken Rundfenster ersetzte man durch neugotische Maßwerkfenster, als
Hochaltar diente nun die barocke Mensa mit dem Tabernakel.
5. Restaurierung und Umgestaltung in den 1950er Jahren
Die wachsende Unzufriedenheit mit dem Erscheinungsbild der Regotisierung
führte in den Nachkriegsjahren ab 1949 zu einer neuerlichen umfassenden
Renovierung und Neugestaltung nach Planung der Architektin Marta
Reitstätter-Bolldorf mit dem Ziel, die neogotische Konzeption zu entfernen
und durch eine aus damaliger Sicht zeitgemäße Formensprache zu ersetzen.
Dazu zählten insbesondere eine Neugestaltung des Altarraumes unter
maßgeblicher Beteiligung des Halleiner Bildhauers Jakob Adlhart, der
Umbau der alten Sakristei zur Familienkapelle, eine neue Sakristei an der
Südseite, ein neuer Vorbau an der Nordfassade und der flache Neubau
einer Marienkapelle anstelle der alten Leonhardskapelle. Heute erinnern
an diese Ausstattungsphase die ursprünglich innen beim Triumphbogen
aufgestellte Martinsstatue von Jakob Adlhart und die Farbglasfenster
von Franz Deéd im Presbyterium bzw. im Langhaus, begonnen 1956 von Margret Bilger.
Alle Renovierungsmaßnahmen zwischen 1949 und 1954 erfolgten unter
Bischof Dr. Josef Schoiswohl, zwischen 1954 und 1993 unter Bischof
Dr. Stephan László.
6. Maßnahmen nach 1960
Mit der Erhebung der bisherigen Apostolischen Administratur Burgenland
zur Diözese im Jahr 1960 wurde die Stadtpfarrkirche nun gleichzeitig
auch Dom, also Bischofskirche, was die Neuanschaffung eines Gestühls
für das Domkapitel erforderte (1963 ausgeführt von Jakob Adlhart, heute
im Vorraum zur Krypta). Im Langhaus setzte Margret Bilger ihren Glasmalereizyklus
fort.
Im Zuge der Liturgiereform des Vatikanischen Konzils wurde 1971 der
Zelebrationsaltar in den Bereich des Triumphbogens verlegt, ferner das damals
neu entdeckte gotische Fenster an der Nordwand freigelegt und von
Franz Deéd künstlerisch gestaltet. 1985 erhielt die Domkirche anlässlich
des 25jährigen Jubiläums der Diözese Eisenstadt ein neues Bronzetor beim
Westportal.